Nacht- und Schichtarbeit im Fokus: Belastungen erkennen, Gesundheit stärken

Wenn die Welt schläft, läuft in vielen Betrieben die Produktion weiter. Nacht- und Schichtarbeit gelten oft als selbstverständlich, manchmal sogar als Zeichen besonderer Belastbarkeit. Doch wir raten zur Vorsicht: Wer regelmäßig gegen die innere Uhr arbeitet, verlangt dem eigenen Körper dauerhaft etwas ab, wofür er biologisch nicht gemacht ist. Die Folgen reichen von Schlafproblemen und Erschöpfung bis hin zu einem erhöhten Risiko für Unfälle und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Umso wichtiger ist es, Schichtarbeit organisatorisch wie auch gesundheitlich ernst zu nehmen.

Arbeiten gegen die innere Uhr

Der menschliche Körper folgt einem natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus, dem sogenannten zirkadianen Rhythmus. Er steuert unter anderem Schlaf, Körpertemperatur, Hormonhaushalt, Stoffwechsel und Konzentrationsfähigkeit. Dieser Rhythmus gerät bei Nacht- und Wechselschichtarbeit aus dem Takt. Besonders kritisch ist die Zeit in der Nacht: Ab etwa 22 Uhr sinkt die Leistungsfähigkeit, zwischen 3 und 4 Uhr morgens liegt sie auf einem Tiefpunkt. In dieser Phase stellt sich der Körper auf Ruhe, Regeneration und Schlaf ein. Wer dann aufmerksam, leistungsfähig und fehlerfrei arbeiten soll, muss deutlich mehr Energie aufbringen als tagsüber. Eine echte biologische Gewöhnung an Dauernachtarbeit ist kaum möglich, weil äußere Einflüsse wie Tageslicht, Mahlzeiten, soziale Kontakte und Alltagsgeräusche die innere Uhr immer wieder auf den Tag ausrichten.

 

Die gesundheitlichen Folgen sind real

Schichtarbeit ist demnach ein anerkannter Belastungsfaktor für die Gesundheit. Typische Beschwerden sind Schlafstörungen, chronische Müdigkeit, Konzentrationsprobleme und Verdauungsbeschwerden. Langfristig steigt zudem das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Hinzu kommt: Belastende Faktoren wie Lärm, Hitze, Zeitdruck oder hoher Verantwortungsdruck verstärken die Auswirkungen zusätzlich. Auch ein sehr früher Arbeitsbeginn – vor allem in Verbindung mit langen Anfahrtswegen – kann den Körper ähnlich belasten wie Nachtschichten.

Deshalb verpflichtet das Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) Arbeitgeber dazu, die mit der Tätigkeit verbundenen Gefährdungen zu beurteilen. Dabei spielen neben Arbeitsplatz und Arbeitsumgebung auch psychische Belastungen sowie die Gestaltung von Arbeitsabläufen und Arbeitszeiten eine Rolle.

 

Mehr Müdigkeit, mehr Fehler, mehr Unfälle

Mit sinkender Leistungsfähigkeit steigt auch das Unfallrisiko. Gerade nachts häufen sich Fehler, Störungen in Arbeitsabläufen und Unfälle. Besonders kritisch wird es bei monotonen Tätigkeiten, bei Arbeit im Dunkeln, in sehr ruhiger Umgebung oder beim Alleinarbeiten. Auch lange Arbeitszeiten verschärfen das Risiko: Nach der 7. bis 9. Arbeitsstunde steigt die Unfallwahrscheinlichkeit deutlich an. Mehrere Nachtschichten in Folge, nicht unterbrochene Schichtserien oder 12-Stunden-Schichten ohne ausreichende Erholung wirken sich zusätzlich negativ aus. Selbst der Arbeitsweg wird zum Risikofaktor – sowohl auf dem Weg zur Frühschicht als auch auf der Heimfahrt nach der Nachtschicht.

Das Arbeitszeitgesetz regelt deshalb Nachtarbeit klar. Als Nachtarbeit gilt Arbeit, bei der mehr als zwei Stunden in die Nachtzeit fallen. Diese liegt in der Regel zwischen 23 und 6 Uhr, in Bäckereien und Konditoreien zwischen 22 und 5 Uhr. Nachtarbeitnehmende sind Beschäftigte, die regelmäßig in Wechselschicht nachts arbeiten oder an mindestens 48 Tagen im Jahr Nachtarbeit leisten. Für sie gelten besondere Schutzrechte: Nachtarbeit soll grundsätzlich acht Stunden pro Werktag nicht überschreiten. Eine Verlängerung auf bis zu zehn Stunden ist nur zulässig, wenn der Durchschnitt innerhalb eines Monats oder von vier Wochen wieder bei acht Stunden liegt. Außerdem haben Nachtarbeitende Anspruch auf regelmäßige arbeitsmedizinische Untersuchungen, deren Kosten der Arbeitgeber trägt. Wird festgestellt, dass die Nachtarbeit die Gesundheit gefährdet, oder bestehen schwerwiegende familiäre Gründe, muss nach Möglichkeit ein geeigneter Tagesarbeitsplatz angeboten werden.

 

Was im Alltag wirklich hilft – 3 Tipps für wirksame Erholung

Schichtarbeit wird nie völlig belastungsfrei sein. Aber es gibt konkrete Maßnahmen, um die Risiken zu verringern:

  1. Besonders wichtig ist guter Schlaf. Wer tagsüber schlafen muss, braucht einen möglichst dunklen, ruhigen und gut temperierten Raum. Telefon und Türklingel sollten ausgeschaltet, Störungen konsequent vermieden werden. Alkohol ist keine Hilfe, auch wenn er das Einschlafen scheinbar erleichtert – die Schlafqualität leidet. Gleiches gilt für übermäßigen Koffeinkonsum: Kaffee, Cola oder Energydrinks können Müdigkeit kurzfristig überdecken, erschweren aber später oft den erholsamen Schlaf. Spätestens drei Stunden vor dem Zubettgehen sollte auf koffeinhaltige Getränke verzichtet werden.
  2. Auch Pausen verdienen mehr Aufmerksamkeit. Wer den Arbeitsplatz kurz verlassen kann, sollte sich bewegen, frische Luft schnappen, sich strecken oder eine leichte Kleinigkeit essen. Wenn das nicht möglich ist, helfen kleine Aktivierungsübungen direkt am Arbeitsplatz, um kurzfristige Müdigkeit zu durchbrechen. Klar ist aber auch: Kaffee ersetzt keine Erholung.
  3. Bei der Ernährung gilt vor allem nachts: leicht, bekömmlich und nicht zu schwer. Ideal sind Betriebe, die auch in Spät- und Nachtschichten gesunde Verpflegung, geeignete Pausenräume und vernünftige Pausenzeiten ermöglichen.
 

Gute Schichtplanung ist Gesundheitsschutz

Ein guter Schichtplan entscheidet mit darüber, wie belastend Schichtarbeit tatsächlich ist. Schichtsysteme sollten planbar, verlässlich und möglichst früh bekannt sein. Kurzfristige Änderungen erschweren die Regeneration und belasten das Familienleben und die soziale Teilhabe. Arbeitswissenschaftlich sinnvoll sind vor allem: 

  • möglichst wenig Nachtarbeit
  • ausreichend Ruhezeiten
  • längere Erholungsphasen nach Nachtschichtblöcken
  • geblockte freie Wochenenden statt einzelner freier Tage 
  • insgesamt mehr freie Tage als bei reiner Tagarbeit

Auch Wahlmöglichkeiten bei Schichtmodellen oder mehr Zeitsouveränität können helfen, Belastungen abzufedern. Denn Schichtarbeit beeinflusst das gesamte Leben. Nacht- und Schichtarbeit sind in vielen Branchen unverzichtbar. Unvermeidbar ist aber nicht, dass Beschäftigte ihre Gesundheit dafür aufs Spiel setzen.

 

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