Mental Health First Aid (MHFA) im Unternehmen: Warum psychische Gesundheit Teil guter Prävention ist

Psychische Gesundheit beeinflusst, wie Menschen arbeiten, kommunizieren, Entscheidungen treffen und mit Belastung umgehen. Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass 2019 rund 15 Prozent der Erwachsenen im arbeitsfähigen Alter mit einer psychischen Störung lebten. Depressionen und Angststörungen führen weltweit zu erheblichen Ausfallzeiten und Produktivitätsverlusten, ganz zu schweigen vom Verlust an Lebensqualität der betroffenen Personen. Gleichzeitig betont die WHO: Es gibt wirksame Maßnahmen, um psychische Risiken am Arbeitsplatz zu reduzieren, mentale Gesundheit zu fördern und betroffene Beschäftigte zu unterstützen.

Was ist Mental Health First Aid?

Für die beschriebenen Situationen wurde Mental Health First Aid, kurz MHFA, entwickelt. MHFA ist vergleichbar mit klassischer Erster Hilfe – nur für psychische Gesundheitsprobleme und Krisen. Ersthelfende lernen, erste Anzeichen psychischer Belastungen zu erkennen, Betroffene wertschätzend anzusprechen, zuzuhören und sie bei Bedarf zu professioneller Hilfe zu ermutigen. Der MHFA-Ersthelfer-Kurs für Erwachsene, über den unsere MHFA-Ersthelferin Katrin im Interview sprach, umfasst zwölf Stunden und vermittelt unter anderem Grundwissen zu psychischen Störungen, Krisen, Warnzeichen und passenden Hilfsangeboten. Wichtig ist dabei: MHFA ersetzt keine Therapie und keine psychologische Beratung. Ersthelfende stellen keine Diagnosen, sondern bieten erste Orientierung und Unterstützung.

 

Mehr Handlungssicherheit im Umgang mit psychischen Belastungen

Für Unternehmen entsteht daraus ein konkreter Mehrwert. Psychische Belastungen bleiben im Arbeitsalltag oft lange unausgesprochen. Kolleginnen und Kollegen nehmen Veränderungen manchmal wahr, wissen aber nicht, wie sie reagieren sollen. MHFA schafft hier mehr Handlungssicherheit. Geschulte Ersthelfende können sensibel ansprechbar sein, Gespräche ermöglichen und Betroffene darin bestärken, sich Unterstützung zu holen. So entsteht ein niedrigschwelliges Angebot, das früh greifen kann – bevor Belastungen sich weiter verstärken.

 

MHFA stärkt eine offene Unternehmenskultur

Gleichzeitig stärkt MHFA die Unternehmenskultur. Wenn mentale Gesundheit offen, respektvoll und ohne Stigmatisierung thematisiert wird, sinken Hemmschwellen. Mitarbeitende erleben, dass Belastungen ernst genommen werden und dass es legitim ist, über psychische Gesundheit zu sprechen. Das schafft Vertrauen und fördert ein Arbeitsumfeld, in dem Fürsorge nicht nur ein Wert auf dem Papier ist, sondern im Alltag sichtbar wird.

 

Psychische Gesundheit als Teil von Arbeitssicherheit, HSE und BGM

Auch aus Sicht von Arbeitssicherheit, HSE und betrieblichem Gesundheitsmanagement ist psychische Gesundheit ein zentrales Thema. Die BAuA stellt klar, dass psychische Belastung bei der Arbeit und mögliche Folgen für die Gesundheit im Arbeitsschutz ebenso zu berücksichtigen sind wie körperliche oder technisch-stoffliche Gefährdungen. Auch die DGUV verweist darauf, dass Arbeitgeber im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung Gefährdungen durch psychische Belastung ermitteln und geeignete Maßnahmen ableiten müssen. Betrachtet werden dabei unter anderem Arbeitsinhalt, Arbeitsorganisation, Arbeitszeit, soziale Beziehungen, Arbeitsmittel und Arbeitsumgebung.

 

MHFA ergänzt die Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung

Während die Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung auf Arbeitsbedingungen, Risiken und Maßnahmen im Unternehmen schaut, stärkt MHFA die persönliche Handlungskompetenz im Alltag. Beides gehört zusammen: gute Arbeitsgestaltung auf der einen Seite, aufmerksame und geschulte Ansprechpersonen auf der anderen.

 

Prävention beginnt mit Aufmerksamkeit und Gesprächsbereitschaft

Besonders wertvoll ist MHFA deshalb als Teil einer ganzheitlichen Präventionsstrategie. Prävention bedeutet, Risiken formal zu erfassen, Warnzeichen ernst zu nehmen, Gesprächsangebote zu schaffen und Menschen rechtzeitig zu unterstützen. Die Gemeinsame Deutsche Arbeitsschutzstrategie betont, dass psychische Belastungsfaktoren an allen Arbeitsplätzen auftreten können und gut gestaltete Arbeit positive Auswirkungen auf die psychische Gesundheit hat.

 

Mehrwert von MHFA für Mitarbeitende, Führungskräfte und Unternehmen

Für Mitarbeitende bedeutet MHFA: Sie haben eine erste Ansprechperson im nahen Umfeld. Für Führungskräfte und Teams bedeutet es: Der Umgang mit psychischen Belastungen wird sicherer und klarer. Für Unternehmen bedeutet es: mentale Gesundheit wird als Bestandteil von Gesundheit, Sicherheit und Prävention verstanden.

 

MHFA nachhaltig in HSE- und Gesundheitsprozesse einbetten

Damit solche Angebote nachhaltig wirken, sollten sie in bestehende HSE- und Gesundheitsprozesse eingebettet werden. Dazu gehören klare Zuständigkeiten, transparente Kommunikationswege, Vertraulichkeit, Schulungen, professionelle Hilfsangebote und eine strukturierte Organisation gesundheitsbezogener Maßnahmen.

 

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